Stellungnahme zu den Aussagen des Esslinger Baubürgermeisters Wilfried Wallbrecht

Melanie Braun von der Eßlinger Zeitung führte vor Kurzem ein Interview mit Wilfried Wallbrecht. Zu den Antworten des Esslinger Baubürgermeister bezieht Esslingen aufs Rad Stellung.

Wallbrecht: die Richtlinien erfordern eben mindestens eine Breite von 2,50 Meter für eine kombinierte Nutzung von Fußgängern und Radfahrern

Natürlich müssen die Radfahrer bei einem kombinierten Fuss-/Radweg Rücksicht nehmen auf die Fussgänger und wären im Fall eines Sach- oder sogar Personenschadens haftbar. Laut dem Juristen des ADFC ist dagegen kein Fall bekannt, in dem eine Kommune in Haftung genommen worden wäre für einen nicht ausreichend breiten Fuss- und Radweg.

Wallbrecht: „daher haben wir seit vier Jahren den Plan, die Strecke auf dem Bahndamm zu reaktivieren.“

Der Weg auf dem Bahndamm eignet sich nicht besonders gut für Radfahrer, da er zwei für den Radverkehr erhebliche Steigungen und Höhenunterschiede birgt, v.a. wenn sie mit Gepäck fahren, was ja auch einem Fernwanderweg nicht unüblich ist. Er wäre viel eher für Fussgänger geeignet, v.a. im Zusammenhang mit der beabsichtigten
Parkanlage. Damit könnte man auch die Überkreuzung von Fuss- und Radverkehr auf der Brücke vermeiden. Entlarvend sind auch die vier Jahre, in denen der Plan vielleicht bestanden hat, aber nichts passiert ist.

Wallbrecht (auf den Hinweis der Redakteurin, dass das Wasserwirtschaftsamt gar nichts gegen einen Ausbau einzuwenden habe): „Wir haben dort gar nicht nachgefragt. Für uns ist klar, dass der Weg nicht so ausbaubar ist, wie es rechtlich erforderlich wäre, weil es dort nicht breit genug ist. das geht gar nicht – außer mit gigantischen Baumaßnahmen. das würde Millionen kosten“

Der Neckaruferweg kann und soll nie ein Radschnellweg mit 4,5m Breite werden. Aber bis ein Radschnellweg im Neckartal fertig gestellt ist, ist er die beste aller denkbaren Lösungen. Wenn der Chef des WSA einem Ausbau nicht abgeneigt ist, sollte man diese Option mal ernsthaft prüfen. In der Fortführung des Neckaruferwegs ist am Daimlerparkhaus eine ähnliche Stelle. Da sieht man, dass stellenweise Verengungen unproblematisch sind, wenn es Ausweichstellen gibt. Man könnte überlegen, ob eine Hanganpassung einerseits und eine stellenweise Uferbefestigung nicht für überschaubare Beträge möglich wären. Eine neue Oberfläche ist dagegen selbstverständlich und eine Erhaltungsmassnahme, wie sie eine Kommune auf allen Verkehrswegen zu leisten hat. Eine Anpassung des Geländers für eine Verbreiterung wäre zusätzlich denkbar, wenn nötig. Millionen an Kosten kommen da sicher nicht zusammen.

Wallbrecht: die Stärkung des Radverkehrs ist natürlich auch unser Ziel. Wir waren da aus meiner Sicht auch lange auf einem guten Weg. Aber angesichts von Personalproblemen sind wir nicht so weit, wie wir gerne wären. … einige Projekte sind wegen personeller Probleme aber auf der Strecke geblieben, das muss ich zugeben…

In einer Stadt wie Esslingen mit einem solch ambitionierten Radförderungsanspruch braucht man rund 4-6 Verkehrsplaner alleine für den Radverkehr, das zeigt der Vergleich mit anderen Städten. Die Sparbestrebungen in Esslingen in Ehren, aber eine Unterbesetzung auf der Planungsebene führt leider oft dazu, dass Geld 2x ausgegeben wird. Wenn bei der Planung der Brückenrenovierungen (Volumen ca. 110-135 Mio €) der Radverkehr nicht mitgeplant wird, muss man später nochmal neu planen und vor allem auch bauen. Das spart am Ende kein Geld. Wenn man Bundesmittel in Anspruch nehmen will, muss man eine kontinuierliche Planung für Massnahmen haben, die man damit umsetzen will. Es führt nichts daran vorbei: die Personalkapazitäten für die Radverkehrsplanung müssen aufgestockt werden.

Textauszüge aus dem Interview mit Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht nachzulesen in der Ausgabe 2./3. September 2017 „Ich kann den Unmut nachvollziehen“. Mit freundlicher Genehmigung der Eßlinger Zeitung.

Werbeanzeigen

2 Gedanken zu “Stellungnahme zu den Aussagen des Esslinger Baubürgermeisters Wilfried Wallbrecht

  1. Sehr interessant.

    Du schreibst: „In einer Stadt wie Esslingen mit einem solch ambitionierten Radförderungsanspruch braucht man rund 4-6 Verkehrsplaner alleine für den Radverkehr, das zeigt der Vergleich mit anderen Städten. “

    Ich versuche da seit einiger Zeit Zahlen dafür zu finden, was in anderen Städten so üblich ist. Gar nicht einfach. Zu Berlin gibts natürlich viele Zahlen, aber Berlin ist ja ein Sonderfall. Hast du Werte von anderen Städten?

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s