Der Radschnellweg im Neckartal ist günstigstenfalls 2025 fertig

„Auftaktveranstaltung Machbarkeitsstudie Radschnellweg Neckartal“ am 6.3.18

Was wir bemerkenswert finden:

  • Der Verkehrsminister des Landes, der Landrat und 6 Bürgermeister unterzeichnen eine Mitwirkungserklärung für den Neckartalradweg.
  • Sie preisen einen künftigen Radschnellweg an und stellen in Aussicht, dass diese Investition auch dem motorisierten Verkehr dient, weil die Konflikte mit den Radlern entfallen.
  • Unerwähnt bleibt dass die Stadt Esslingen aktuell die Radverbindung entlang der Tallängsachse gekappt hat: die Radfahrer sollen absteigen und schieben oder sich auf einer Hindernisstrecke durch die Stadt quälen, ohne dass die Verwaltung das begründen kann.

Aber zurück zur Veranstaltung:

Für den 6.3. hatte Landrat Eininger in den grossen Sitzungssaal des Landratsamts zur Auftaktveranstaltung eingeladen. Fotogen unterzeichneten alle Bürgermeister der Region die Mitwirkungserklärung am Radschnellweg. Neben vielen Mitarbeitern aus Ministerium und RP waren auch Mitarbeiter derjenigen Kommunen da, für die das Projekt Bedeutung hat.

Ebenfalls anwesend waren etwa 15 Radaktive von ADFC und VCD, die Verkehrsminister Hermann ausdrücklich in seiner Rede begrüsste – danke, das tut gut! Sonst hat man ja eher das Gefühl, man sei allen sehr lästig mit der Forderung nach einer besseren Radinfrastruktur.

Landrat Eininger erläuterte, dass der Kreis Esslingen bereits ein gutes Radwegenetz habe: da staunt man als Alltagsradler nicht schlecht.

Minister Hermann schwärmte in seiner Rede von der Situation z.B. in Holland.

Der Neckartalradverbindung sei deshalb so wichtig, weil hier landesweit die höchsten Entlastungspotenziale für den Autoverkehr lägen. Man müsse schnell anfangen, denn auch ein erstes Stück sei sehr motivierend und mache geradezu süchtig.

Anschliessend stellte Paul Fremer vom Büro RV-K die ersten Überlegungen für den Radschnellweg vor. In Frage kommen drei Varianten:

  • städtisch nord: nördlich des Neckars und bevorzugt durch die Wohngebiete
  • Neckar Nord: nördlich des Neckars, ungefähr entlang des jetzigen Neckartalradwegs
  • Neckar Süd: südlich des Neckars und meist auch der B10

Die beiden beteiligten Büros werden ab jetzt also prüfen, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten mit den 3 Varianten verbunden sind.

Mindestens 2000 Radfahrende pro Tag werden den Radschnellweg nutzen. Das hat das beauftragte Büro TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH in seien Analysen ermittelt.
Auf mindestens 70% der Strecke strebt man den vollen Qualitätsstandard für Radschnellwege an.

Es müsse jetzt zügig eine Arbeitsgruppe der beteiligten Kommunen geben, die etwa alle 2 Monate tagen solle. Bürgerbeteiligung sei geplant – das finden wir natürlich richtig und wichtig.

Bis Jahresende will man fertig sein, lieber vorher. Wir sind natürlich sehr gespannt darauf, was bei der Abwägung herauskommt!

Für die Stadt Esslingen wird das Ganze eine spezielle Herausforderung sein:

Auch wenn sich der Landrat dringend wünscht, dass das Land die Baulast trägt, so ist da im Moment nichts zu machen, weil eine entsprechende gesetzliche Regelung erst Mitte des Jahres ansteht und wenn sich nichts ändert, hat eine Stadt von der Grösse Esslingens die Kosten auf ihrer Gemarkung selbst zu tragen. Dazu kommt das Problem, dass in Esslingen seit Jahren nicht genug Planer da sind und seit der jüngsten Kündigung ist ein weiterer Mitarbeiter weniger.

Kann Esslingen eine Blamage vermeiden?

In Esslingen wird man begreifen müssen, dass sich die Mobilität der Zukunft viel einfacher realisieren lässt, wenn man das Fahrrad als Verkehrsträger mitdenkt. Dazu muss man eigenes Geld in die Hand nehmen, denn man kann Dinge nicht ewig verschieben mit dem Hinweis, dass die beantragte Förderung dafür noch nicht bewilligt sei.

Die Initiative Esslingen aufs Rad wird sich weiter einmischen und ihre Forderungen stellen: die Stadt Esslingen muss zusammen mit allen Nachbargemeinden eine echte Förderung der Fahrradinfrastruktur in die Wege leiten, das heisst:

  • es muss Fahrradverbindungen für alle Typen von Fahrradfahrern geben, ob sie nun zügig pendeln, gemütlich spazieren radeln, ob sie langsam oder schnell ihre Tour radeln wollen
  • die Strecke am Neckarufer muss jetzt in guter Qualität funktionieren, nicht erst mit Bau eines Bahndammwegs; daher muss die Stadt Esslingen den Weg hinter dem Bahnhof frei geben, reparieren und bestmöglich ausbauen.
  • Die Zufahrten zum Neckaruferweg aus der Breite des Neckartals und von den Höhen müssen dringend ausgebaut werden. Auch hier bringt Warten nichts, denn diese Zufahrten braucht man für den Radschnellweg genauso wie für den heutigen Neckaruferweg.
  • Die Stadt Esslingen braucht dringend mehr Planungskapazität für den Radverkehr. Zunächst muss allermindestens eine Vollzeitstelle ausschliesslich für den Radverkehr besetzt werden, sonst kann Esslingen den vorhandenen Rückstand nicht aufholen, Versprechungen für eine Verdopplung des Radverkehrs bis 2025 sind dann reine Lippenbekenntnisse.

Alle Fahrradfahrer, ob Alltags- oder Freizeitradler können wir nur ermutigen, sich mit ihren Forderungen möglichst häufig an Gemeinderäte und Abgeordnete, die Presse und die Stadtverwaltung zu wenden. Nur dann ist eine Besserung in Aussicht!

Bündnis Esslingen aufs Rad
Verantwortlich: Thomas Albrecht, Heckenweg 12, 73730 Esslingen

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