Wie geht’s weiter mit dem Radnetz in Esslingen?

Zeitungsleser wundern sich: „Dauernd lese ich in der Esslinger Zeitung, daß es weitreichende Verbesserung für den Radverkehr gibt und ihr Radfahrer meckert immer noch“.
Dem gegenüber fragen sich Esslinger die heute schon Rad fahren wann die vollmundigen Ankündigungen in Punkto Radinfrastruktur endlich umgesetzt werden und nutzbar sind. 

Unsere Erkenntnis ist:
Ohne eine deutlich stärkere und vernetztere bürgergesellschaftliche Lobbyarbeit geht es kaum vorwärts mit der Esslinger Vekehrswende.

Im Gemeinderat haben viele durchaus erkannt, daß wesentliche Probleme von unserer zu stark auf Autos ausgerichteten Mobilität herrühren.
Mehr Anreize Wege auch mit dem Rad anstatt mit dem Auto zurückzulegen ist im Ausschuss für Technik und Umwelt inzwischen eine Kernthema.

 

Was die Stadt Esslingen in Sachen Radverkehr konkret angehen will kann man in einer Presemitteilung vom 11.12.2018 lesen.
Zur Pressemitteilung vom 11.12.2018.

Mit den nachfolgenden Links gelangt man zu den Plänen und den Vorlagen für den Gemeinderat:
Beschlüsse, Finanzierung und genaue Ausgestaltung stehen größtenteils noch aus.

RIS Vorgang 67/504/2018 – Realisierung des Neckaruferparks im Bereich des Esslinger Hauptbahnhofs / Weststadt (GR 17.12.)[2]

RIS Vorgang 67/495/2018 – Vorfeld Neckarfreibad (VA 3.12.)[3]

RIS Vorgang 61/472/2018 – Aufwertung der Fahrradstraße Hindenburgstraße (ATU 10.12.)

Mobilitätskonzept „Neue urbane Mobilität für Esslingen“ Führungskreis 4. Mai 2018 (Folie 17, ATU 26.11.)

Was muß aus unserer Sicht mit hoher Priorität umgesetzt werden

Das wichtigste Projekte für mehr Radverkehr in Esslingen ist eindeutig:
Neckartalweg, Neckartalweg und Neckartalweg!

Die Sperrung der wichtigen Radachse hinter dem Esslinger Bahnhof stößt täglich tausende Radfahrer vor den Kopf und macht damit Radpendeln unattraktiv.
Große Potentiale zur Entlastung der Menschen von Stau, Luftschadstoffen und Lärm bleiben so ungenutzt.
Laut einer Zählung vom Planungsbüro RV-K im Oktober befahren den Weg auf Höhe des Esslinger Freibads noch täglich 2100 Radfahrende. Der Behinderung oder Gefährdung von Fußgängern auf dem zu schmalen Weg hinter dem Bahnhof versucht das Tiefbauamt durch Sperrung des Wegs („Radfahrer absteigen“) zu begegnen, was in der Praxis aus Mangel an attraktiver Alternativen ignoriert wird.
Die vielen Radpendler und Fußgänger die die Strecke dringend brauchen werden von der Stadt allein gelassen.

 

Steigungsarm, kreuzungsfrei und direkt könnte der Radverkehr zwischen Rampe und Plinsauturm auf den Bahndamm geführt werden. So wäre Radmobilität wirklich attraktiv für Kinder, nicht so geübte Radler, Lastenräder und Radfahrende mit Anhänger.

Die Aufforderung von OB Zieger gegenüber Radfahrverbänden und Radfahrenden die sich beschwert hatten, den gesperrten Weg weiterhin zu befahren, zeigt symbolisch: Die Stadt sieht die Problematik, räumt ihr jedoch noch nicht die notwendige Priorität zur Lösung im Sinn einer Sanierung oder Neubau auf dem zu erwerbenden Bahngelände ein.
Diese Lücke muss schnellstmöglich mit maximalem Einsatz von Seiten des Grünflächen- und Stadtplanungsamtes geschlossen werden.

Im Rahmen der geplanten kreisweiten Radwegweisung 2019 soll diese Strecke auch weiterhin als Fernradweg ausgeschildert werden (Richtungsangaben „Nürtingen“ und „Remseck“). Die Stadt sollte ihren Aufgaben zügig nachkommen, eine Radverkehrsinfrastruktur bereit zu stellen, die der Bedeutung als überregionale Radverkehrsverbindung gerecht wird. Für einen zukünftigen Radschnellweg, dürften die Planungen im Jahr 2019 beim Land mit Hochdruck weiter getrieben werden. Nichtsdestotrotz muss der Lückenschluss (notfalls zunächst als wassergebundener provisorischer gemeinsamer Fuß- und Radweg) so schnell wie möglich erfolgen. Außerdem ist die neue Brücke über den Rossneckar so zu auszulegen, dass sie später durch eine 4 Meter breite reine Radfahrerbrücke ergänzt werden kann.

 

Land kann Kosten für Radschnellwege übernehmen

Hier ist der Gesetzentwurf zur Änderung des Straßengesetzes verlinkt.

Dort ist auszugsweise der Einleitung zu entnehmen:
„Straßen sollen klimafreundlicheren, die Verkehrssicherheit fördernden und vernetzten Mobilitätskonzepten mehr Raum geben.“

Darin soll festgelegt werden, dass das Land die komplette Straßenbaulast (=Kosten) übernehmen kann. Eine Radschnellverbindung mit >2500 Radfahrern pro Tag würde dann als Landesstraße zählen.

Darunter würde dann auch die Radschnellweg-Variante 2 (am nördlichen Neckarufer fallen.
Gemeinden wie Esslingen mit mehr als 30000 Einwonern tragen die Baulast (=Kosten) für Radschnellwegeabschnitte auf ihrer Ortsdurchfahrt selbst (§43).

Nach §8 ist für diese Einstufung  Erschließungsfunktion und geschlossene Ortslage ausschlaggebend. Der jetzige Neckartalradweg führt aber am Rand der Ortslage vorbei und ermöglicht damit komplett Landes-Straßenbaulast.

Optimierung Fahrradstraße Hindenburgstrasse

Die Fahrradstraße Hindenburgstraße bedarf neuer Markierungen und eindeutiger Kennzeichnung. Dies begrüßen wir sehr. Neben der Entschärfung von Knotenpunkten (Vorfahrtregelung), sind eine zweite Gefahrenquelle zu enge Überholmanöver im Längsverkehr. Durch Strichmarkierungen wird der Platz zu parkenden Autos verdeutlicht. Durch eine zusätzliche Diagonalsperre soll die Zahl der Fahrräder die Zahl der KFZ noch deutlicher übertreffen. In der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr haben wir Verbesserungsvorschläge zum aktuellen Planungsstand beigesteuert die wir hier gerne nochmals öffentlich darstellen:

Die geplante Diagonalsperre auf Höhe der Olgastraße ist im Planentwurf so gezeichnet, dass PKW in die Fahrradstraße eingeleitet werden und das Abbiegen aus der Fahrradstraße in die Olgastraße verboten wird. Da dies Wendemanöver in der Fahrradstraße nach sich ziehen könnte, empfehlen wir, dies umzukehren. PKW sollten an der Diagonalsperre ausgeleitet und ein Abbiegen in die Olgastraße angeordnet werden. Eine Einfahrt aus Richtung der Olgastraße in die Hindenburgstraße ist dann nicht mehr möglich, was dem Ziel der KFZ-Reduktion und Erhöhung des Radanteils deutlich mehr entspricht.
Im Bereich der Einmündung Katharinenstraße ist die erforderliche Breite von 4 Metern deutlich unterschritten. Unsicher für Radfahrende ist dieser Steckenabschnitt aktuell zusätzlich druch den erheblichen Parkplatz-Suchverkehr. Deshalb schlagen wir vor, den KFZ-Verkehr dadurch weiter zu verringern, dass dieser Teil der Hindenburgstraße zur Einbahnstraße stadtauswärts wird.

Es freut uns, dass es sich nach Aussage in der Vorlage von Frau Locher dabei nur um „geringfügige Änderungen“ handelt und hoffen, dass diese dann in der finalen Ausführung umgesetzt werden.

Abestellanlagen

In Esslingen fehlen an vielen Stellen sichere Abstellanlagen:

Die Kombination aus Rad und Bahn an den Bahnhöfen Zell, Oberesslingen, Esslingen und Mettingen wird für deutlich mehr Pendler interessant wenn es möglich ist auch hochwertige Räder sicher abzustellen.
Mit automatischen Fahrradparkhausern ist dies hoch attraktiv möglich.
Vorreiter ist da die Stadt Offenburg. Dort ging letzten Sommer für gerade mal 300 000€ dieses Fahrradparkhaus in Betrieb.

Fellbach wir in der Region nachziehen und auch in Bad Canstatt sucht man nach einem möglichen Standort.

Weitere Themen folgen in Kürze.

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