Bericht von der verkehrspolitischen Radtour (21. Juli 2018):

Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte zur Information und Diskussion über Zwischenergebnisse der Machabarkeitsstudie eingeladen

Anwesend waren:

Winfrid Hermann (Verkehrsminister BW),
Andreas Hollatz  (Amtsleiter Straßenbau beim Regierungspräsidium Stuttgart),
Thorsten König (Amtsleiter Straßenbau für den Landkreis Esslingen und Göppingen)
Die Bürgermeister Peter Pätzold (Stuttgart), Jürgen Zieger (Esslingen), Martin Funk (Altbach), Albert Dorner (Stellvertretender BM Deizisau), Frank Buß (Plochingen), Bernhard Richter (Reichenbach),
zwei der vier Radverkehrsplaner vom Regierungspräsidium Stuttgart,
Christine Locher (für Radverkehr zuständige Stadtplanerin Esslingen),
Marco Schwab (Radverkehrsplaner Göppingen),
der Verkehrsplaner für Altbach, Plochingen und Reichenbach,
Paul Fremer und Thorsten Zobel (Planungsbüro Radverkehrs-Konzepte),
Eberhard Grille, Thomas Rumpf (ADFC Kreisverband Esslingen),
Petra Schulz, Jürgen Grad (VCD e.V. Esslingen),
Helmut Müller-Werner (Gemeinderat Esslingen), Andreas Fritz (Grüne Esslingen),

VM Hermann und Andreas Hollatz vom Regierungspräsidium Stuttgart Abteilung Straßenwesen und Verkehr begrüßten uns bei strömendem Regen im Restaurant Steiner am Fluss in Plochingen.

Herr Fremer vom Planungsbüro RV-K stellte untersuchte Routen, Rahmenbedingungen und Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie vor:

Die Variante 1 städtisch Nord (durch die Stadt) habe zwar das größte Nutzerpotential aber aufgrund von zahlreichen Kreuzungen und dem Entfall von mehreren hunderten PKW-Parkplätzen kaum eine Change auf  Umsetzung.

Die Variante 3, südlich des Neckars unterliege einem Planungsverbot des Bundes aufgrund des B10 Ausbaus im Bundesverkehrswegeplan. Außerdem ist sie von Wohnquartieren und Alltagszielen in Neckartal zu weit entfernt. Eine Verbindung zwischen Berkheimer Straße und Stuttgarter Straße wäre extrem schwierig, aufwändig und teuer.

Als Vorzugsvariante da sehr potentialreich und in absehbarer Zeit umsetzbar ermittelte RV-K die Variante 2 am Nördlichen Neckarufer.

Auch aufgrund ihrer Nähe zu Schulzentren, Hochschulen, Wohngebieten und Arbeitsplätzen wird diese Variante empfohlen. Die zahlreichen vorhandenen Teilstrecken bieten eine gute Ausgangssituation für einen Ausbau und Verbindung.

Gegen 14 Uhr hörte der Regen auf und wir starteten auf einer der möglichen Trasse Variante 2 am rechten Filz Ufer, mitten durchs Grüne, nach Reichenbach.
Bürgermeister Bernhard Richter (Reichenbach) warb für die Trassenführung am Filz Ufer und auch die  Bürgermeister Funk aus Altbach, Bürgermeister Buß aus Plochingen und der stellvertretende Bürgermeister aus Deizisau taten dies auf „ihren“ Streckenabschnitten.

Wobei auch planerische Herausforderungen von allen Projektbeteiligten benannt und diskutiert wurden. Die Möglichkeit und die Bereitschaft diese gemeinsam zu meistern stand aber bei allen im Vordergrund.

Beispielsweise wäre eine Führung durch den Plochinger Hafen sehr schwierig. Einfacher komme man mit der Trasse am Cola-Werk in Deizisau vorbei.

So wurde zwischen Deizisauer Freibad und dem Jachthafen über den Bau einer Rad-und Fußgängerbrücke über den Neckar gesprochen. Über deren Bau und Notwendigkeit sind sich die  Anrainergemeinden seit langem einig. Mit dem Radschnellweg und dem finanziellen Engagement des Landes Verkehrsministeriums soll die jetzt endlich Wirklichkeit werden soll. Die Gemeinden müssten und würden bis zur Hälfte der Kosten tragen.

Im Entennest müsse man den Lastern vom Entsorgungsunternehmen Scherrible und dessen Privatstraße ausweichen und deshalb eine Trasse über den Alten Neckar legen. Auflagen des Naturschutzes sehe man sich hier aber mit entsprechenden Lösungen grundsätzlich gewachsen.

Paul Fremer vom Planungsbüro RV-K berichtete weiter, daß es von Zell ab am rechten Neckarufer genügend Platz gebe für eine Radschnellweg-Trasse.  Lediglich um das Haus von Bürger für Berber, parallel zur Zeppelinstraße, müsse eine Wegführung noch erarbeitet werden.

Ab hier müsse der Radschnellweg unabdingbar vom Fußgängerverkehr getrennt werden da hier Nutzerzahlen von mindestens 2000 bis perspektivisch 6000 Radfahrern pro Tag zu erwarten sind.

An der alten Schleuse hinter dem Esslinger Freibad trafen wir auf OB Jürgen Zieger. Der gab vor Ort bekannt, daß auch die Stadt Esslingen, aufgrund der nun vorliegenden Zwischenergebnisse aus der Machbarkeitsstudie, hinter die Weiterverfolgung der Variante 2 am Nördlichen Neckarufer stehe und die vertiefte Planung unterstützt.

Er sehe aber noch erhebliche Schwierigkeiten und appellierte an alle Beteiligten doch zu Gunsten einer schnellen Umsetzung deutlich von den Standards (4m) abzuweichen.

Zieger bedauerte die unumgängliche Sperrung des Neckaruferwegs. Empfehle aber den Esslinger Radfahrern diesen trotzdem zu nutzen. Er mache das auch so.

Paul Fremer skizzierte die weitere Streckenführung mit einer neuen Brücke über den Kanal hin zum Landratsamt. Dann direkt am Neckarufer weiter um, unter anderem, dem Denkmalschutz des Merkelparks gerecht zu werden.

Für die Wegführung ab dem Pliensauturm ergaben die Untersuchungen von RV-K, daß sich eine Trassenführung am Rande des Neckaruferparks gut mit den Funktionen des geplanten Neckaruferparks vereinbaren lassen.

Auf Höhe Daimler Mettingen müsse man mit der Fa. Daimler um etwas Platz für den RS verhandeln, so Paul Fremer.

Bürgermeister Pätzold trafen wir am Daimler Parkplatz Mettingen. Er versicherte uns, daß der Anschluss hier nach Stuttgart problemlos möglich ist.

Auf der Rückfahrt der Variante 3, Neckar Süd folgend fuhren wir zurück nach Plochingen zum Biergarten Steiner am Fluss. Dort sprachen sich nochmals alle Beteiligten für die Weiterverfolgung der Variante 2, Neckarufer Nord aus.

Die weiteren Planungen im Rahmen der Machbarkeitsstudie werden bis Jahresende konkretisiert und weiter verfeinert.

Andreas Hollatz und Minister Herrman forderten die Anwesenden zur Mitarbeit auf damit in 2 bis 3 Jahren dann erste Teilstücke gebaut werden können.

Thorsten König, Amtsleiter Straßenbau vom Landkreis Esslingen, kündigte an, daß alle Zwischenergebnisse und Planungen im Rahmen der Machbarkeitsstudie demnächst beim Landkreis Esslingen online verfügbar sein werden.
Eine weitere Bürgerbeteligung (zusätzlich zum Radverkehrskonzept des Landkreises) sei aufgrund des sportlichen Umsetzungshorizonts  zwar nicht geplant. Man könne sich aber jetzt noch mit sinnvollen Anregungen an den Landkreis oder RV-K wenden. Aus der Bürgerbeteiligung des Rad-Konzepts des Landkreises habe man da teilweise sehr clevere Anregungen bezogen.

Abschließend betonte der VM, daß der RS nicht den Ausbau des städtischen Radnetzes ersetzt.

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