Jetzt sind sie also da, die Ergebnisse vom Fahrradklimatest 2016. Auf die Schnelle kann man sagen:

Im Städteranking liegt Esslingen weiterhin miserabel. Unter den Städten mit 50 bis 100.000 Einwohnern sind wir auf Platz 87 von 98. Damit ist das Fahrradklima gerade mal in 11% dieser Städte noch schlechter bewertet. Und das hat sich nicht verändert: 2014 lagen wir auf Platz 89 von 100, also auch 11%!

Im Städteranking in Baden-Württemberg liegt Esslingen weiterhin auf Platz 12. Das ist aber nicht mehr der letzte, denn es gibt einen noch schlechteren Platz, yeah!

Herausragend ist, dass wir in Esslingen vier mal so viel Teilnehmer an der Befragung hatten: 237 (2014: 59), während sich im gesamten Test „nur“ 20% mehr beteiligt haben.
Dazu zwei Erklärungsvorschläge:
1. es wird in Esslingen trotz schlechter Bedingungen immer mehr geradelt und
2. es gibt in Esslingen immer mehr, worüber man sich als Radfahrer aufregt.

In Esslingen wurde zwar 2013 bzw. 2015 die damals längste Fahrradstrasse in Betrieb genommen. Dennoch hat das für das Fahrradklima nichts bewirkt.
Als Folge des Fahrradklimatest 2014 gab’s nach rund 20 Jahren wieder eine Fahrraddemo, die seither monatlich als Critical Mass fortgeführt wird.

Positives in den Einzelwertungen

Fahrraddiebstahl ist gering: ob es daran liegt, dass der ADFC sehr engagiert die Fahrradboxen in der Nähe von S-Bahn-Haltestellen verwaltet, damit hochwertige Räder sicher eingestellt werden können? Dazu passt auch, dass die Fahrradmitnahme gut bewertet wird, in Esslingen seit Längerem auch schon in den Bussen

Wegweisung ist gut, geöffnete Einbahnstrassen in Gegenrichtung
Ja, seit ein paar Jahren sind die Wegweisungen verbessert worden, auch bei der Befahrbarkeit der Einbahnstrassen passiert immer mal wieder was. Das ist mit wenig Geld zu machen und stört niemand.

Negatives in den Einzelwertungen
Oh je, da ist es ja so rot vor schlechten Noten, dass man gar nicht im Detail darauf eingehen kann. Nimmt man man die Defizite bei „zügiges Radfahren“ und „Sicherheitsgefühl“ zusammen, dann wird klar, warum in das Radfahren in Esslingen keinen wesentlich höheren Verkehrasanteil hat: Fahrradfahren als Verkehrsmittel ist in den öffentlichen Planungen nicht ausreichend verankert. Z.B. spielt es in der Diskussion um die Sanierung der Brücken kaum eine Rolle, offenbar wird es bei Baustellenplanungen zu wenig beachtet. Die Radfahrer nutzen das Rad also, obwohl die Situation in Esslingen schlecht ist. Von Seiten der Verwaltung wird argumentiert, Esslingen sei wegen seiner Hanglage kein Kandidat für eine Fahrradstadt. Das kann man getrost als Märchenstunde abtun: etwa die Hälfte der Esslinger Bevölkerung lebt auf der Talfläche, von den anderen haben viele schon erkannt, dass sie die Elektromobilität auf zwei Rädern beschleunigen können, während andere im Stau stehen. Bei einer sicheren Infrastruktur könnte Esslingens Radverkehr wie mit dem Turbo durchstarten.

Dazu zwei besonders bedauerliche Punkte:

  • Sichere Anbindung der Fahrradstrasse in die Innenstadt und hinduch realisieren

Die Fortsetzung der Fahrradstrasse ist mit der Grabbrunnenstrasse ein Zubringer der B10, der Hauptverkehrsader des mittleren Neckartals. „Spaß oder Stress“ kann man hier leicht beantworten, denn die Abmarkierungen bieten keinen Schutz für Radfahrer. Da die Autofahrer hier vollkommen verunsichert sind, ob sie nun 2-spurig oder 1-spurig geführt werden, nutzen sie den Radfahrstreifen. Wer würde hier mit seinen Kindern entlang fahren? Aber wenn man Esslingen von Ost nach West durchqueren will, dann ist hier eine der Hauptachsen.

„Zügiges Radfahren“ wäre hier angesagt, aber die Fortsetzung in die Stadt über Kieskreuzung ist für Fahrradfahrer nicht vorgesehen und der weitere Verlauf in die Wehrneckarstrasse ist zwar seit 2 Jahren zugesagt und budgetiert, stattdessen geht der Radweg durch die belebte Maille, wo es Konflikte mit Fussgängern geben muss.

  • Radschnellweg Neckar vorbereiten

Meistgenutzer Radweg in Esslingen dürfte der Neckaruferweg sein, gerade für Alltagsradler.
Dessen Oberfläche ist miserabel (Wurzeln) und aufgrund seiner mangelnden Breite hinter dem Bahnhof gibt es häufig Konflikte mit Fussgängern, auch wenn alle Verkehrsteilnehmer dort meist kooperativ sind.
Die Lösung der Stadtverwaltung ist eine neue Wegeführung mit Umweg durch die Stadt. Sie ist länger und verursacht insbesondere auf dem Bahnhofsvorplatz noch mehr Konflikte mit Fussgängern. „Zügiges Radfahren“ wird hier zum Witz. Die Stadtverwaltung träumt von einer kleinen Lösung über Bahngelände. Wenn man schon in die Zukunft blickt, dann wäre die unverzügliche Vorbereitung eines Radschnellwegs durch das Neckartal geboten, wie das der Kreis Esslingen in seinem Radverkehrskonzept vorschlägt.

Alle Ergebnisse des Fahrradklima Test 2016

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